Aussegnungsraum
"Nature morte" - Moderne Kunst im Andachtsraum
In den letzten zwei Jahren hat sich der Fuhseblick immer stärker und offener mit dem Thema Sterben und Tod auseinandergesetzt. Wichtiger Faktor dabei war die Kooperation mit der Hospitzbewegung, deren Mitarbeiter die Ergotherapeutinnen des Fuhseblick bei ihrer Arbeit in der Sterbebegleitung unterstützen.Im letzten Jahr fiel die Entscheidung, auch durch Neugestaltung bzw. Neuschaffung von Andachtsräumen die Scheu bzw. Verdrängung des Themas Tod anzugehen.
Der Anfang wurde dann mit dem durch einen Anbau notwendig gewordenen neuen Andachtsraum in Haus 1 gemacht.
Mit der Gestaltung des Raumes wurde die Künstlerin Petra Kaltenmorgen beauftragt.
Für die Hannoveranerin und Meisterschülerin von Professor Heinrich Riebesehl war es nicht einfach die passende Kunst für den Andachtsraum zu finden. Ein Raum, in dem die Lebenden von den Toten Abschied nehmen und der meist mit viel feierlichem Pathos erstickt wird.
Da Petra Kaltenmorgen auch Einfluß auf die Gesamtgestaltung des neu geschaffenen Raumes hatte, ist es ein ganz schlichtes, fast spartanisches Zimmer geworden, im dem der tote Mensch im Mittelpunkt steht.
Naturfarben gespachtelte Wände, auf denen zwei strenge Lichtbögen aus gebogenem Stahl Kerzenlicht spenden, ein schlichter Waschbrunnen auf hochglänzendem beigen Naturstein und natürlich die Kunst von Petra Kaltenmorgen, die hier die sonst üblichen pompösen Lilien-und Nelkensträuße ersetzt.
Vier Farbfotografien, die den perfekt eingefangene Moment zwischen Leben und Tod eingefangen haben: gepflückt, teilweise auch eher grob gerissen und unsanft abgeknickt, liegen kleine Pflanzenfragmente auf weißen Papiertüchern und welken.
Zarte Vogelmiere, ein Veilchenblatt - man sieht ihnen an, dass sie bis vor kurzem noch in Saft und Kraft standen, doch nun sterben sie - der Prozess ist nicht aufzuhalten.
Wie unter der Lupe einer interessierten Botanikerin präsentiert die 38jährige Fotografin Petra Kaltenmorgen in ihren vier Arbeiten die Pflanzen halt-, schutz- und schmucklos ohne Wurzeln, Erdreich oder Blüte und dokumentiert ihr Sterben.
"Nature morte", tote Natur, ist im Französischen die Bezeichnung für das deutsche Stilleben und nichts scheint passender für diese minimalistischen Arrangements, die eine große Sachlichkeit aber auch Ruhe ausstrahlen. Sie ziehen ihren Betrachter in den Bann.
Der Andachtsraum von Petra Kaltenmorgen kann - wenn er nicht belegt ist- täglich zwischen 8 Uhr und 16.30 Uhr von Besuchern besichtigt werden.